Börse am Sonntag: Norman Lemke spricht über Private Equity für Privatanleger


Institutionelle Großinvestoren setzen Private Equity längst als Standardbaustein im Portfolio ein. Mit sicherheitsorientierten Anlagelösungen können Privatanleger jetzt investieren wie die Profis.

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70 Prozent der Deutschen glauben nach einer aktuellen Umfrage des Marktforschungsinstituts GfK, dass Vermögende die besseren Anlageprodukte zur Verfügung haben. Tatsächlich sind diese Menschen sehr gut darin, ihr bereits bestehendes Kapital weiter zu vermehren. Das liegt allerdings nicht an besseren Produkten. Vielmehr setzen sie einen anderen Fokus. Eine Analyse von Campden Research unter Family Offices aus dem vergangenen Jahr zeigt, dass reiche Familien etwa die Hälfte ihres Vermögens in Form von Aktien und Private Equity in Unternehmen investieren. Gehören Aktien zumindest bei den versierten Privatanlegern zum Standardrüstzeug, verlässt Private Equity erst jetzt das Nischendasein als Anlageklasse der Profis und kommt für eine zunehmende Anzahl von Normalverdienern in Betracht.

Hinter dem Begriff Private Equity verbirgt sich die Beteiligung an Unternehmen, die nicht an der Börse notiert sind. Institutionelle Investoren und sehr vermögende Privatpersonen investieren mithilfe von Private-Equity-Fonds in diese Anlageklasse. Das funktioniert so: Das Managementteam eines Private-Equity-Fonds kauft mit dem gesammelten Kapital seiner Investoren etwa 10 bis 20 Unternehmen auf. In der Folgezeit entwickelt es diese Unternehmen durch strategische und operative Verbesserungen weiter, um sie nach einigen Jahren wieder mit Gewinn zu veräußern oder an die Börse zu bringen. Die Investoren profitieren davon anteilig. Das Prinzip überzeugt. Nach Statistiken des Datenanbieters Preqin nimmt das verwaltete Kapital in Private Equity seit Jahren stetig weiter zu. Denn auf der Suche nach alternativen Ertragsmöglichkeiten decken insbesondere institutionelle Investoren mit der Anlageklasse das anvisierte Profil nach attraktiven Renditen und einer passenden Risikostruktur ab. Hinzu kommt eine eindeutige Interessenslage aller Beteiligten: Die Fondsmanager bringen einen hohen Anteil ihres privaten Vermögens mit in die Fonds ein und fordern dies auch von den Geschäftsführern der Unternehmen. Somit verfolgen alle das gleiche Ziel einer positiven Entwicklung der Beteiligungen.

Für all dies beteiligen sich die Investoren bewusst an einer illiquiden Anlageform. Die nachhaltige Entwicklung der Unternehmen ist keine kurzfristige Aufgabe. Die Private-Equity-Fonds haben daher eine mehrjährige Laufzeit.

Privatanleger können mit Dachfonds in Private Equity investieren

Für Privatanleger ist die Anlage in einzelne Private-Equity-Fonds kaum möglich. Denn um in solche Fonds investieren zu können, sind Kapitalzusagen in zweistelliger Millionenhöhe nötig. Dazu kommt: Selbst wer die hohen Summen aufbringen kann, erhält nicht automatisch Zugang zu den Fonds. Insbesondere bei den erfolgreichsten Fondsmanagern ist das Interesse so hoch, dass sie sich ihre Investoren unter vielen aussuchen können. Sie wählen dann vorrangig die aus, mit denen sie bereits seit Jahren zuverlässig zusammenarbeiten und welche aller Voraussicht nach auch in die zukünftigen Fonds investieren möchten. Für die meisten Privatanleger sind daher Dachfonds der einzige Weg zur Anlageklasse Private Equity. Sie bündeln die mitunter auch kleineren Beträge von vielen Privatanlegern und haben den nötigen Zugang zu  hochqualitativen Private-Equity-Fonds. Dabei ist die Anlageklasse nicht von der Notwendigkeit einer breiten Diversifikation ausgenommen. Insofern bieten Dachfonds ihren Anlegern einen entscheidenden Vorteil: Sie investieren das ihnen anvertraute Kapital für die Anleger nicht bloß in einen, sondern in eine Vielzahl an Private-Equity-Fonds und damit in hunderte Unternehmen verschiedener Branchen, Regionen und Finanzierungsanlässe. Einer Studie der HEC Paris und von Unigestion aus dem Jahr 2017 bestätigt die Diversifikationseigenschaften dieses Dachfondsprinzips. Demnach verbuchte in der Vergangenheit kein einziges global diversifizierendes Portfolio Verluste. Ganz im Gegenteil: Nach allen Kosten können Anleger langfristig mit einer Rendite rechnen, die über der der bekannten Aktienbenchmarks liegt.

Aktien oder Private Equity? Eine Kombination ist optimal

Sind Private-Equity-Investitionen nun die ‚besseren‘ Unternehmensbeteiligungen? Ganz so einfach ist es nicht. Beide Anlageklassen bieten Anlegern ein Ertragspotential, das für den Vermögensaufbau benötigt wird. Eine Co-Existenz im Portfolio ist optimal: Mit Aktien besitzen Anleger einen Bestandteil, den sie bei Bedarf flexibel veräußern können. Mit Private Equity haben sie einen Baustein, der ein zusätzliches Renditeplus verspricht und dank der Mehrheitsbeteiligung an den Unternehmen eine Besonderheit aufweist: Die Fondsmanager können die strategische Ausrichtung beeinflussen und den Unternehmen so zu Wachstum verhelfen. Bleibt ein Unternehmen hinter den Erwartungen zurück, wird es nicht auf die Schnelle verkauft. Die Fonds sind in der Lage es länger zu halten und können zudem die nötigen operativen Maßnahmen ergreifen.

Wie die Analyse der Portfolios reicher Familien zeigt, ist die Kombination bei sehr vermögenden Privatpersonen bereits verbreitet. Was diese Investorengruppe bereits erfolgreich nutzt, kann sich auch für Privatanleger lohnen. Mit sicherheitsorientierten Dachfondslösungen können sie es den Vermögenden gleichtun.

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Quellen

www.boerse-am-sonntag.de