Technologie und Entwicklung – Warum Private Equity alternativlos wird


Horst Güdel, Vorstand & Mitgründer der RWB Group AG, schreibt im Artikel über die Chancen von Private Equity und erklärt, warum das Wertschöpfungspotential im Bereich neue Technologien enorm hoch ist.

Horst Güdel, Mitgründer und Vorstand der RWB Group AG

Die Geschichte der Anlageklasse Private Equity ist seit ihrer Existenz eng verknüpft mit der Entwicklung neuer Technologien. Die fortschreitende Digitalisierung hat die Entwicklungszyklen im Technologiebereich in den letzten Jahren dramatisch verkürzt. Für viele Unternehmen bietet das großartige Chancen, für viele aber auch Herausforderungen. Insgesamt eröffnet diese Beschleunigung einen großartigen Ausblick für die Anlageklasse Private Equity. Denn gemeinsam mit operativ starken Private-Equity-Managern können Firmen mithilfe der Digitalisierung in wichtigen Unternehmensbereichen und bei entscheidenden Schlüsselfunktionen viel Wachstumspotential heben.

Blicken wir auf die Anfänge der Anlageklasse: 1946 wird mit der ARDC, der American Research and Development Corporation, der erste Private-Equity-Fonds der Welt gegründet. Eines seiner bekanntesten Investments ist die Beteiligung an der Digital Equipment Corporation (DEC) im Jahr 1957. Mithilfe des Private-Equity-Fonds revolutioniert das Unternehmen in den Folgejahren den Computermarkt. DEC gelingt es, den für damalige Verhältnisse ersten Mini-Computer in der Größe eines handelsüblichen Kühlschranks zu entwickeln und ihn damit für eine breitere Masse zugänglich zu machen. Nach elf Jahren Haltedauer bringt ARDC das Unternehmen an die Börse. Aus dem ursprünglichen Investment von 70.000 US-Dollar werden 355 Millionen. DEC ist übrigens in den Folgejahren zunächst in Compaq und später in Hewlett Packard und Intel aufgegangen. 

Viele weitere Unternehmen, die heute zu den erfolgreichsten der Welt gehören, sind mit dem Kapital und der fachlichen Expertise von Private-Equity-Fonds groß geworden – darunter etwa FedEx, Apple, Cisco oder Microsoft. Auch im Portfolio der RWB befanden und befinden sich Unternehmen, die mit bahnbrechenden technologischen Entwicklungen oder der Ausrichtung auf neue Nutzungsgewohnheiten mal spezialisierte Nischen-, mal riesige Weltmärkte über den Haufen geworfen haben. Dazu gehört der allseits bekannte Streamingdienst Spotify oder das Unternehmen Flixbus, das die Wettbewerber im Fernreisesektor herausfordert und inzwischen einen großen Marktanteil gewonnen hat. Etwas unbekannter ist Ihnen vielleicht Acrolinx. Die auf künstliche Intelligenz basierende Software des deutschen Unternehmens hilft seinen Kunden, verständliche und suchmaschinenoptimierte Texte zu erstellen. Auf die Technologie von Acrolinx vertraut heute das Who-is-who der weltweit bekanntesten Marken.

Die Entwicklung bahnbrechender Technologien oder Anwendungen sind die Leuchtturmbeispiele von Private Equity, von denen es auch weiterhin unzählige geben wird. Ein hohes Wertschöpfungspotential bietet sich vor allem aber bei allen etablierten Unternehmen, die neue Technologien in ihr Geschäftsmodell einbinden müssen, um sich einen Vorsprung gegenüber den Wettbewerbern zu erarbeiten. Heute bleibt wenig Zeit, auf neue Technologien zu reagieren. Kapital und Expertise von Private-Equity-Fonds stehen daher hoch im Kurs.

Digitalisierung hat Technologiezyklen stark verkürzt

Die Zyklen, in denen neue Technologien Marktreife erlangen, haben sich in der Vergangenheit stark verkürzt. Ein Beispiel, das Sie aus Ihrem eigenen Wohnzimmer kennen, verdeutlicht das: Die erste Videokassette wurde bereits im Jahr 1976 eingeführt. Anschließend dauerte es knapp 30 Jahre bis zur nächsten echten Neuerung – der Entwicklung der DVD in 1995. Nur drei Jahre später folgte die Entwicklung hin zum Video-Streaming, wie wir es heute von Netflix, AmazonPrime und anderen Anbietern kennen. Diese Marken waren auch deshalb so erfolgreich, weil die bisherigen Marktführer nicht in der Lage waren, innerhalb der kurzen Zeit auf die Entwicklung zu reagieren. In der Folge haben sie Marktanteile an die neuen Wettbewerber verloren bzw. das Potential eines neu entstandenen Marktes verstreichen lassen.

Entwicklungen lösen die Vorgängermodelle nur selten mit einem harten Schnitt ab. Auch heute können Sie etwa noch DVDs erwerben. Der Markt ist allerdings stark geschrumpft. Für Unternehmen bedeutet das: Sie müssen sich neuen Entwicklungen und dem zunehmendem Tempo stellen, um konkurrenzfähig zu bleiben. Die schnellen Entwicklungszyklen erfordern dabei einen hohen Kapitaleinsatz und – mindestens ebenso bedeutend – die notwendige Expertise, neue Technologien in den Firmen zu implementieren. Beides überfordert große Teile der Unternehmenslandschaft.

Private-Equity-Fonds werden zu gefragten Partnern 

Heute gehen daher viele Unternehmen proaktiv auf Private-Equity-Fonds zu, weil sie Unterstützung im Zuge der Digitalisierung benötigen. Sie wollen Prozesse und Produktion digitalisieren und automatisieren, müssen Produkte in Online-Shops anbieten, mobile Anwendungen, bzw. Software entwickeln, die unabhängig von Ort und Zeit zugänglich ist, und vieles weitere mehr. Finanzierungskapital ist dabei eine bedeutende Ressource für die anstehenden Aufgaben, aber nicht die entscheidende. Der wichtigste Werttreiber in der heutigen Wirtschaft ist die Leistung von Mitarbeitern mit Spezialwissen – insbesondere im IT-Sektor. Sie sind die begehrtesten Fachkräfte. An dieser Stelle kommt das Kapital wieder ins Spiel. Denn mithilfe der Private-Equity-Fonds können Unternehmen sogenannte „Acqui-Hires“ tätigen. Dahinter verbirgt sich die gezielte Übernahme von ganzen Teams oder auch Unternehmen, um schnell qualifizierte Talente und technisches Know-how für die Digitalisierung zu gewinnen. Ein Beispiel dafür aus dem RWB Portfolio ist WorkWave. Der US-amerikanische Softwareanbieter benötigte für den nächsten Wachstumsschritt Experten im Bereich Online-Marketing und kaufte daher mit der Finanzkraft des Fondsmanagers Chicago Growth Partners kurzerhand die kleine Online-Marketing-Agentur RefGo ein.

In unseren RWB Portfolios sind kaum noch Unternehmen enthalten, bei denen digitale Maßnahmen keine Rolle bei der Wertsteigerung der Beteiligung spielen. Dabei gewinnt die Entwicklung erst in den kommenden Jahren richtig an Fahrt. Die Technologieberatung Gartner veröffentlicht jedes Jahr den sogenannten Hype Cycle. Darin stellen sie Technologien vor, die in den nächsten Jahren voraussichtlich Marktreife erlangen. Einige kennt man aus der Medienberichterstattung, wie etwa Entwicklungsstufen von autonomem Fahren oder Augmented Reality. In der aktuellsten Übersicht aus dem Jahr 2018 sind allerdings auch Begriffe enthalten, unter denen wir uns heute noch kaum etwas vorstellen können, z.B. „Smart Dust“ (intelligenter Staub) oder „Self Healing System Technology“ (Selbstheilende IT-Technologie).Zukunftsfähige Unternehmen müssen sich jedoch bereits heute mit diesen kommenden Entwicklungen auseinandersetzen.

Was bedeutet das für die Anlageklasse Private Equity?

Wer Unternehmen nachweislich bei der intelligenten Implementierung neuer Technologien unterstützen kann, ist sicher bereits heute gut ausgelastet. Wer die Kombination von Finanzierungskapital und eben jener Expertise anbieten kann, dem blüht eine goldene Zukunft – denn das Wachstumspotential wächst täglich. Operativ starke Private-Equity-Fonds vereinen beide Eigenschaften. Sie genießen daher bereits heute bei Unternehmern einen sehr guten Ruf. Und als Anlageklasse gewinnt Private Equity weiter an Attraktivität für Anleger.

Dieser Blogbeitrag ist zuerst im RWB Anlegermagazin „Capital at Work“ erschienen. Das gesamte Magazin können Sie hier als PDF herunterladen.