Stirbt die klassische Lebensversicherung aus?


Eine echte Kapitalvermehrung ist für Neukunden in der klassischen Lebensversicherung kaum noch möglich. Trotzdem setzen viele deutsche Privatanleger noch immer auf „ihr liebstes Kind“. Ein Fehler?

Während die Medienlandschaft vom Aussterben des deutschen liebsten Kindes, der klassischen Lebensversicherung, berichtet, sind deutsche Privatanleger bei einer laufenden Verzinsung von knapp 3 Prozent nach wie vor sehr zufrieden mit diesem Produkt.

Wie passt das zusammen?

Ein kurzer Blick hinter die Kulissen zeigt, wie es wirklich um das gebrannte Kind und um dessen finanzielle Zukunft steht.

In der Niedrigzinsepoche erwirtschaften die Versicherer mit der gesetzlich geforderten und vorgeschriebenen Anlagemöglichkeit kaum noch Erträge mit dem Geld ihrer Kunden. Das was sie aber in Summe mit allen anzulegenden Geldern erwirtschaften,  muss zunächst für die langjährigen Kunden und deren hohe Garantieverzinsung, zeitweise in Höhe von 4 Prozent pro Jahr, aufgebraucht werden. Was im Anschluss noch übrig bleibt, das erhalten die neueren Kunden als Überschussbeteiligung, die einen Garantiezins von aktuell z.B. 0,90 Prozent pro Jahr erhalten. Der in den letzten Jahren stetig gesunkene Garantiezins zeigt diese Entwicklung in einer oberflächlichen Zahl, die aber genügend Aufschluss darüber gibt, dass immer weniger Erträge bei dieser Art der Kapitalanlage erwirtschaftet werden können.

Wer dazu noch in die Betrachtung mit einbezieht, dass dieser Garantiezins nur auf den Sparanteil Anwendung findet, also das was ich als Kunde einzahle abzüglich der Produktkosten, der muss kein Rechengenie sein um zu erkennen, dass eine echte Kapitalvermehrung als Neukunde in diesem Produkt kaum noch möglich ist. Weitere Effekte, wie z.B. die Inflation, geben dieser Kapitalanlage den letzten tödlichen Stoß.

Die Versicherungsbranche hat schon längst reagiert und bietet unter dem Deckmantel des zusätzlichen Chancenreichtums Produkte ohne Garantiezins an. In Wirklichkeit wissen Sie schon heute, dass sie für Neukunden in dem Altersvorsorgeprodukt, welches bis zum 65. Lebensjahr abgeschlossen wird, in diesem Jahr noch knapp 3 Prozent Rendite erwirtschaften, aber bei weitem nicht in den kommenden 30 Jahren, die das Produkt noch monatlich weiter bespart wird. Eine Erkenntnis, die für viele Kunde, die ein sicheres Anlageprodukt gesucht haben, wahrscheinlich zu spät kommt. Mutierte klassische Produkte, die heute häufig am Markt zu finden sind, investieren aber zum Großteil in die gleichen Anlagemöglichkeiten, auch wenn werbewirksam darauf hingewiesen wird, dass mittlerweile Windparks, Parkhäuser und Immobilien für die dringend benötigte Rendite sorgen. Klingt gut, ist aber aufgrund des marginalen prozentualen Anteils nicht als „Retter in der Not“ zu verstehen, sondern eher als Beruhigungstrank.

Löblich ist zum einen die Erkenntnis, dass es so nicht weitergehen kann und zum anderem die Fokussierung auf Produkte, die es parallel zu den klassischen Produkten auch schon seit Jahrzehnten für Privatkunden gibt: Produkte, die das Geld der Kunden in renditefähige Anlagen investieren - an der Börse, in Unternehmen und andere Sachwerte. Leider trägt der Irrglaube, hier ausschließlich an hochriskante Anlagen zu geraten, in der breiten Gesellschaft zu Unsicherheit bei und auch dazu, dass „man“ am Ende des Tages das Thema lieber erst einmal auf die lange Bank schiebt.

Nicht umsonst befassen sich statistisch gesehen die Deutschen 6 mal länger mit der Suche nach dem richtigen Gebrauchtwagen als mit den Möglichkeiten, die eigene Geldanlage richtig auf die Beine zu stellen.

Ein Phänomen hat aber bei beiden Themen Bestand: Während der Mechaniker eher die Technik und den Motor unter die Lupe nimmt, so überzeugen den Fahrer am Ende eher das Design, die Funktionalität oder die mögliche Höchstgeschwindigkeit.

Auf das Thema Geldanlage bezogen heißt das, dass Argumente wie Steuervorteile und Entnahmemöglichkeiten häufig den Kunden überzeugen, ohne dass die eigentliche Anlageform überhaupt hinreichend begutachtet wird.

Jeder sollte sich aber vor Augen führen, dass der Motor am Ende der wichtigste Faktor ist, ob man an seinem Ziel ankommt oder aber eben auf halber Strecke liegen bleibt.

Daher der dringende Aufruf:

Schon ein Sprichwort sagt „Was Du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen!“. Ihrer eigenen aktuellen und zukünftigen finanziellen Situation sollten Sie genügend Aufmerksamkeit schenken.

Beschäftigen Sie sich rechtzeitig damit und lassen Sie sich individuell und fachkundig beraten. Seien Sie offen für neuartige Lösungsansätze, denn die Situation in Bezug auf die Geldanlage ist heute eine grundlegend andere als noch vor einigen Jahren oder Jahrzehnten.

Es gibt lukrative Formen, wie Sie Ihr Geld richtig gut anlegen können. Es sind aber nicht mehr allein diejenigen, die Jahrzehnte größte Bekanntheit genossen haben, sondern diejenigen, welche die heutige und zukünftige Situation bestmöglich bewerkstelligen können.

Und wenn man in diesem Zusammenhang sehen kann, dass diese Anlageklassen schon seit mehreren Jahrzehnten existieren und in dieser langen Zeit immer konstant hohe Erträge erzielt haben, dann ist die Entscheidung dafür kein Wagnis, sondern für Mechaniker und Fahrer die emotional und rational richtige Entscheidung.