Sparen, der Opferkult der Deutschen.


Wir sparen, andere investieren. Reich werden wir damit nicht.

Schaubild über das Verhältnis Investieren zu Sparen in verschiedenen Ländern

Keiner spart so heftig wie die Deutschen. Daran konnten auch Finanz- und Eurokrise nichts ändern. Seit 2007 ist das, was zur Seite gelegt wird nochmals um unglaubliche 39 Prozent gestiegen.

Noch mehr sparen? Noch mehr Konsumverzicht? Die Holländer sind die Einzigen, die das einigermaßen ähnlich sehen. Um immerhin 8 Prozent ist die Sparleistung dort gestiegen. Im Rest Europas ist sie rückläufig. Sogar die Ösi‘s ließen es eher krachen. Sie haben ihre Sparleistung um 57 Prozent verringert.

Folglich müssten die Deutschen durch das viele Sparen ein Volk der Superreichen werden.

Weit gefehlt! Circa 45.000 Euro besitzt der Bundesbürger aktuell im Schnitt. Das sind zwar 20 Prozent mehr als 2007, aber weltweit nur Platz 18. Franzosen, Italiener, Briten, Belgier, Holländer…alle weit vor uns. Der Abstand wird auch nicht kleiner. Die Holländer besitzen 2015 bereits ca. 50 Prozent mehr Geldvermögen als noch 2007. Das wahre „Clever‘le“ ist allerdings der Österreicher. Trotz halbierter Sparleistung ist das Pro-Kopf-Geldvermögen dort ungefähr genauso gestiegen wie in Deutschland.

Die Deutschen „sparen falsch“, sie investieren nicht in Unternehmen und sie sind Aktienmuffel, lautet die Analyse der Ökonomen.

Aber wenn es so einfach ist, warum ändert sich dann nichts?

Einblick in die deutsche Seele verschafft nicht die Ökonomie, sondern der gute alte Duden!

Was verstehen wir Deutschen laut Duden unter „sparen“? Auf die hohe Kante legen, bescheiden leben, sich einschränken, haushälterisch sein, rationieren, sein Geld zusammenhalten, sich Entbehrungen auferlegen, den Gürtel enger schnallen, sich den letzten Bissen vom Munde absparen, jeden Pfennig drei Mal umdrehen, keine großen Sprünge machen usw. usw. usw.

So gelesen klingt „sparen“ eher wie eine Art spezifisch deutscher „Opferkult“, getrieben von der Angst um eine „sichere Zukunft“. Ein Opfer der Art Selbstkasteiung. Denn „auf der hohen Kante“ ist Geld ja allenfalls vor den eigenen Gelüsten sicher. (Und auch nur davor!)

„Spare in der Zeit, dann hast du in der Not.“, lautet ein uraltes Sprichwort. Wer solcherart kultische Opfer für eine sichere Zukunft bringt, will natürlich hundertprozentige Gewissheit, dass das Geopferte „in der Not“ auch da ist. Und diese gefühlte Sicherheit findet man eben nur im Altbekannten und Vertrauten, dem Sparbuch. (Auch wenn man aus der Geschichte weiß, dass gerade deutsche Regierungen „in der Not“ ihrem Volk das Geld weginflationiert haben.)

Und da schließt sich der Kreis. Denn ca. 40 Prozent des Geldvermögens der Deutschen liegt auf Sparbüchern und sonstigen nahezu unverzinsten Konten. Zum Vergleich: Holland 20 Prozent, USA 13 Prozent. Der Amerikaner hat wohlgemerkt ein durchschnittliches Geldvermögen von 139.000 Euro.

Wir sparen, andere investieren. Es ist kein Zufall, dass „investieren“ im wahrsten Sinne ein Fremdwort ist, das - vermutlich von italienischen Kaufleuten stammend - in den deutschen Sprachgebrauch übernommen wurde.

Investieren statt sparen? Das sind nicht einfach andere Worte. Das setzt einen Mentalitätswandel voraus, der noch Generationen dauern könnte. Während das deutsche Wort „sparen“ eine passive Verzichtshandlung aus Angst vor einer unsicheren Zukunft ist, ist das Fremdwort „investieren“ eine aktive, auf positiven Zukunftserwartungen gerichtete Mobilmachung von Reserven.

Um sich den Unterschied klar zu machen, sollte man Geld einmal als Samenkörner verstehen. Während die Deutschen ihre ersparten Samenkörner aus Angst vor Missernten lieber horten, sähen andere Völker sie wieder ein, weil man optimistischer ist und mit einer guten Ernte rechnet. Drastisch gesprochen lassen wir die „uns vom Munde abgesparten“ Samenkörner lieber verschimmeln, als sie wieder in den Boden einzubringen.

Übrigens: Schlägt man die Bedeutung des Wortes „investieren“ im Duden nach, erhält man als erste Erläuterung: Kapital langfristig in Sachwerten anlegen. Genau das leisten alle Angebote der RWB Group.

So gesehen sollten die Deutschen den Duden auch als Ratgeber für die Geldanlage nutzen, wenn Sie den Ökonomen schon nicht vertrauen.

Quelle:"Der Deutsche spart und spart - doch es bringt wenig", www.welt.de, 29.09.2015