Künstliche Intelligenz: Chance oder Gefahr für Wohlstand?


Roboter und künstliche Intelligenz haben enormes Potential für wirtschaftliches Wachstum. Davon werden die Besitzer der intelligenten Systeme profitieren. Ein Beitrag von RWB Vorstand Horst Güdel

Der stark wachsende Einsatz von Robotern und künstlicher Intelligenz wird voraussichtlich nicht weniger als einen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wandel mit sich bringen. Einige Optimisten erhoffen sich dadurch ein bedingungsloses Grundeinkommen. Freizeit könnte womöglich den Job als Hauptbeschäftigung ablösen. Kurzum: Die Maschine soll anstelle des Menschen arbeiten. Verschiedene Analysen und Berechnungen prognostizieren tatsächlich einen starken Anstieg der Wertschöpfung – getragen von intelligenten Robotern und selbstlernenden Maschinen: PwC etwa geht in einer aktuellen Studie davon aus, dass das deutsche Bruttoinlandsprodukt allein aufgrund des Einsatzes künstlicher Intelligenz bis zum Jahr 2030 zusätzlich um 11,3 Prozent steigen wird1. Accenture rechnete im Jahr 2016 damit, dass sich die Bruttowertschöpfung in Deutschland bis 2035 von jährlich 1,4 auf 3,0 Prozent mehr als verdoppeln könnte2. Als technologiestarker Industriestandort wird die Bundesrepublik demnach von der Nutzung intelligenter Roboter und selbstlernender Maschinen besonders profitieren. Die Arbeitsproduktivität soll um 29 Prozent steigen.

Bessere Work-Life-Balance oder Gefahr für den Wohlstand?

Dennoch ist es mehr als fraglich, ob sich das zwar augenscheinlich positive, ökonomische Szenario auch positiv auf die Work-Life-Balance und den Wohlstand der Gesamtbevölkerung auswirkt. Denn eines darf nicht vergessen werden: Wenn die Wertschöpfung immer stärker von Maschinen sowie Computern und weniger von Menschen kommt, dann wird entscheidend sein, wer diese Maschinen und Computer besitzt.

Für viele wird der zunehmende Einsatz der Technologie einen ganz anderen Wandel mit sich bringen. Denn absehbar ist bereits heute, dass durch den steigenden Einsatz künstlicher Intelligenz bestimmte Arbeitsplätze wegfallen werden. Dies passiert bereits heute an Stellen, an denen Maschinen Tätigkeiten effizienter und besser bewerkstelligen können als Menschen. Auf der Website www.willrobotstakemyjob.com kann sich jeder in Sekundenschnelle anzeigen lassen, wie hoch die Gefahr ist, dass Maschinen den eigenen Job zukünftig ersetzen werden. Das kurzweilige Tool basiert auf einer der weltweit meistzitiertesten Studien zu diesem Thema der beiden Oxford-Forscher Carl Benedikt Frey und Michael A. Osborne3. Dennoch sind intelligente Maschinen kein Grund zur Panik, denn es werden in nahezu allen Branchen auch neue Arbeitskräfte gebraucht, die den Einsatz künstlicher Intelligenz planen, organisieren und koordinieren. Welche Auswirkungen dieser auch als „Industrielle Revolution 2.0“ bezeichnete Wandel für jeden Einzelnen mit sich bringt, liegt also auch an der Anpassungsfähigkeit und Bereitschaft für Aus- und Weiterbildung.

Auf der Gewinnerseite werden zumindest alle sein, die die intelligenten Systeme besitzen. Soll die Gesamtbevölkerung also von einer der größten Entwicklung unserer Zeit profitieren, muss sie sich in der Breite an Unternehmen und ihren selbstlernenden Maschinen und Computern beteiligen. Damit steht unserer Gesellschaft nicht weniger als die Herausforderung bevor, die aktuelle vorherrschende Anlegerkultur umzukrempeln. Denn noch sind die Menschen in der Minderheit, die mit Unternehmensbeteiligungen an der wirtschaftlichen Entwicklung teilhaben.

 

1 PwC: Sizing the prize. What’s the real value of AI for your business and how can you capitalize? (2018)

2 Accenture: Why artificial intelligence is the future of growth (2016)

3 Carl Benedikt Frey & Michael A. Osborne: The Future of Employment: How susceptible are jobs to computerisation? (2013)