Heute ist Weltspartag – es sollte besser Weltinvestitionstag heißen!


Die Zeiten haben sich geändert, die Zinsen haben sich geändert, nur das Sparverhalten der Deutschen noch nicht so richtig...

altes Zeitungsblatt aus der deutschen Sparkassen-Zeitung zum Weltspartag

An der Erziehung zum Sparen ist nichts auszusetzen. Ohne Sparen kein Vermögensaufbau. Doch Sparen hat zunächst einmal etwas mit (vorübergehendem) Verzicht auf die schönen Dinge des Lebens zu tun. Das fällt naturgemäß schwer, nicht nur Kindern.

Weil das so ist hat man mit "Institutionen" wie dem Weltspartag das Bild in die Köpfe der Kinder gehämmert, das Sparzinsen eine Art Belohnung für die Guten ist die, am Süßigkeiten Laden vorbeigehend, tapfer ihre Spargroschen zur Sparkasse tragen. Wo die Zinsen herkommen, wer sie erwirtschaften muss, etc. blieb so im Dunkeln.

Auch der Präsident des Sparkassenverbandes war offensichtlich ein braver Schüler und hat am Weltspartag gut aufgepasst. Wenn jetzt aus dieser Ecke von einer „Bestrafung“ der deutschen Sparer durch die Null-Zinspolitik der EZB gesprochen wird, knüpft man an solch infantile Bilder an: Obwohl sie brav gespart haben, werden die deutschen Sparer nun um ihre Belohnung gebracht!

Der „böse Herr Draghi“ ist nun sicherlich an vielem Schuld, nicht aber am fehlenden Finanzwissen der Deutschen. Wer Kindern und Heranwachsenden die hinter dem Zins steckenden Zusammenhänge nur in Dimensionen von Gut und Böse erklärt, darf sich nicht darüber wundern, dass deutsche Sparer um die Früchte ihres Konsumverzichts gebracht werden und durch ihr falsches Sparverhalten über 200 Mrd. Euro an möglichen Erträgen verschenken (Quelle: Allianz Global Wealth Report).

Denn obwohl es keine „Belohnung“ mehr gibt, ändert sich am Sparverhalten der Deutschen wenig. Sie haben laut einer aktuellen Allianz Studie in den letzten vier Jahren etwa 40 Prozent ihres Geldvermögens auf Konten und Sparbüchern bei Banken und Sparkassen geparkt. Bei einer realen Rendite von minus 0,4 Prozent!

Nochmal, sparen ist – im Wortsinne - notwendig (= um Not abzuwenden). Es wird daher also immer wichtiger, wenn durch die Rentenlücke drohende Altersarmut vermieden werden soll.

Sparerziehung muss jedoch heute mit einer anderen Art von Aufklärung einhergehen. Diese muss neutral sein und gehört deshalb an die Schulen. Sie ist jedenfalls nicht Sache von interessengelenkten, privatwirtschaftlichen Institutionen wie Banken und Sparkassen. Das „unverdrossene“ (FAZ) festhalten an alten Ritualen wie dem „Weltspartag“ ist jedenfalls keine Lösung. Sonst behält Robert Halver, Chefanalyst der Baader Bank, vielleicht doch Recht und der „Weltspartag“ wird schon sehr bald zum „Volkstrauertag“.