Die größte Verführungskünstlerin der Welt: Die Börse

„Aber die Börse hat ihre eigene spezielle Logik […]. Sie ist kapriziös wie eine schöne Frau oder das Wetter. Sie versteht es, mit tausend Zauberkünsten zu schillern, um ihre Beute anzulocken, und in dem Augenblick, wo man es am wenigsten erwartet, zeigt sie einem die kalte Schulter. Mein Vorschlag: Man sollte die Launen kühl übergehen und vor allem keine logische Erklärung dafür suchen.“ André Kostolany

Die Launen der Frau mit den Launen der Börse zu vergleichen ist schon ein starkes Stück. Die Idee stammt allerdings nicht von mir, sondern von einem der profiliertesten Anlageexperten des 21. Jahrhunderts, dem Ungarn André Kostolany.

Seine Empfehlung, nicht jede Laune der Frau auf die Goldwaage zu legen, unterstreiche ich ebenfalls. Das bedeutet allerdings nicht, dass wir Männer unseren Frauen nicht zuhören sollten. Ganz im Gegenteil! Es bedeutet, dass wir unterscheiden müssen, zwischen dem Gesagten und den eigentlich wichtigen Signalen, die sich dahinter verstecken.

Gleiches gilt für die Börse und speziell die täglichen Börsennachrichten. Es wimmelt von Geräuschen. Ein Experteninterview hier, neueste Statistiken da, Analystenmeinungen überall und zwischendurch noch eine Talkshow zum Thema. Diese ganzen Geräusche gehen nicht spurlos an uns vorbei, sondern sie führen zu etwas, nämlich zu Tatendrang. „Die Experten glauben nicht mehr an ein starkes Wirtschaftswachstum, soll ich meine Aktien nun verkaufen?“, könnte sich ein Anleger fragen.

Daten und somit Geräusche gibt es heute dank der allgemeinen Vernetzung im Überfluss und der Anteil an Störgeräuschen nimmt zu, je mehr man sich mit Nachrichten und Meinungen beschäftigt. Aber nicht alles davon ist ein Signal, was wirklich wichtig ist. Wenn sich Zeitungen und Medien nur auf die wirklich entscheidenden Vorkommnisse und Signale konzentrieren würden, hätten wir mal eine Tageszeitung mit einer Länge von einer Seite und mal mit 100 Seiten. Da Zeitungen allerdings jeden Tag einen bestimmten Umfang erreichen müssen, werden unwichtige Geräusche hinzugemischt. Das macht es schwer, die wichtigen Signale zu finden.

Ich empfehle die heilende Wirkung des Fastens. Eine (Anti-) Informationskur! Schauen Sie Ihr Aktiendepot nur einmal pro Jahr an und kümmern Sie sich nicht um das tägliche Auf und Ab. Lernen Sie die Verführung des Handelns zu meistern, in dem Sie taub bleiben für die Geräuschkulisse. Ich weiß, im Zeitalter des Internets ist das gar nicht so einfach. Allerdings ist es umso lohnenswerter für Ihre Geldanlage!

Übrigens, falls Sie es noch nicht wissen, Frauen legen ihr Geld wesentlich erfolgreicher an als Männer, aber das ist ein anderes Thema... 

Meine Buchempfehlungen zu diesem Thema:
Taleb, N. N. (2013), Antifragilität: Anleitung für eine Welt, die wir nicht verstehen.
Kostolany, A. (2015), Die Kunst, über Geld nachzudenken.